

Dr. Claudia Oertel
E-Mail: c.oertel@vdm-deutschland.de
(zur Zeit in Elternzeit)

Seit 3. Mai 2010 tagt das Codex Alimentarius Kennzeichnungskomitee (CCFL) in Québec / Kanada. Eine der Prioritäten, die die Arbeit des CCFL bestimmt ist die WHO Global Strategy on Diet, Physical Activity and Health.
VDM - Folgende wesentlichen Ergebnisse wurden vom CCFL erzielt:
Umsetzung der in der WHO Global Strategy on Diet, Physikal Activity and Health genannten Vorschläge
Zum Vorschlag der WHO die verpflichtende Nährwertkennzeichnung für vorverpackte Lebensmittel einzuführen, konnte bisher keine Einigung im CCFL gefunden werden. Es wurde darüber beraten, welche Nährstoffe anzugeben sind, wenn eine Nährstoffkennzeichnung zu erfolgen hat. Unstreitig ist, dass neben dem Energiegehalt, die Gehalte an Eiweiß, Kohlehydrate, Fett, gesättigtem Fett und Zucker anzugeben sind. Umstritten sind dagegen die Angaben der Gehalte an Natrium/Salz, Transfettsäuren, zugesetztem Zucker und Ballaststoffen.
Transfettsäuren
Zu der Frage, ob Transfettsäuren in der Nährwertkennzeichnung zukünftig verpflichtend anzugeben sind, hat der Internationale Milchwirtschaftsverband (IDF) sich dafür ausgesprochen, Transfettsäuren nicht in die verpflichtende Nährwertkennzeichnung aufzunehmen. Es gebe keinen wissenschaftlichen Beweis, dass natürliche Transfettsäuren das Gesundheitsrisiko erhöhen. Es wurde auf wissenschaftliche Veröffentlichungen verwiesen. Sollte sich das CCFL für eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung von Transfettsäuren aussprechen, sollten natürliche Transfettsäuren ausgenommen werden. Es wurde als Kompromiss eine Fußnotenlösung vorgeschlagen. Danach sollen Länder, in denen die Höhe der Aufnahme von Transfettsäuren einen öffentlichen Gesundheitsbelang darstellt, die Angabe von Transfettsäuren in der Nährwertkennzeichnung erwägen. Transfettsäuren werden aus der Liste der Nährstoffe, die im Rahmen der Nährwertkennzeichnung verpflichtend anzugeben sind, gestrichen.
Zugesetzter Zucker
Das CCFL hat sich dafür ausgesprochen, dass nur der Gesamtzuckergehalt verpflichtend anzugeben ist, nicht aber zusätzlich auch der Gehalt an zugesetztem Zucker.
Ballaststoffe
Strittig wurde auch die Frage diskutiert, ob Ballaststoffe verpflichtend in der Nährwertkennzeichnung anzugeben sind. Der Vorschlag des Vorsitzenden wurde akzeptiert, Ballaststoffe aus der Liste der verpflichtend anzugebenden Nährwerte zu streichen.
Kriterien für die Lesbarkeit der Nährwertkennzeichnung
Diskutiert wurde über die Festlegung von Kriterien für die Lesbarkeit der Nährwertkennzeichnung. Bezug nehmend auf die Regelungen im Allgemeinen Codexstandard für die Kennzeichnung vorverpackter Lebensmittel (STAN 1-1985) sollen die Angaben leicht lesbar sein. Die Nährwertgehalte sollen in Zahlen und Tabellenform angegeben werden. Auf Verpackungen mit wenig Platz kann die Kennzeichnung in einem linearen Format angegeben werden. Die Festlegung des Schriftstils, des Schrifttyps und der Mindestschriftgröße als auch die Verwendung von Groß- und Kleinbuchstaben kann durch die zuständigen Behörden erwogen werden. Zudem sollte ein bedeutsamer Kontrast zwischen Text und Hintergrund vorhanden sein, damit die Nährwertinformation deutlich lesbar ist.
Diese Regelungen, die zukünftig in die Codex-Leitlinien zur Nährwertkennzeichnung (CAC/GL 2-1985) aufgenommen werden sollen und denen auch die EU-Kommission zugestimmt hat, sollen im Schnellverfahren nun der CAC zur Verabschiedung vorgelegt werden. Wenn eine Nährwertkennzeichnung zu erfolgen hat, sollen zukünftig verpflichtend der Energiewert sowie die Gehalte an Eiweiß, Kohlehydrate, Fett, gesättigte Fettsäuren, (Natrium/Salz) und Zucker angegeben werden.
Kennzeichnungsregelungen zu Getränken basierend auf Fermentierter Milch
Das CCFL hat die vom CCMMP beschlossenen Kennzeichnungsregelungen für Getränke basierend auf Fermentierter Milch bestätigt. So gibt es ergänzende Kennzeichnungsregelungen für diese Produkte, um den Verbraucher über die wahre Natur dieses Produktes zu informieren. Das zugesetzte Wasser ist im Zutatenverzeichnis aufzuführen. Darüber hinaus ist der Prozentsatz der verwendeten fermentierten Milch deutlich sichtlich auf dem Etikett anzugeben.
Kennzeichnung von Lebensmitteln / Lebensmittelzutaten, die gentechnisch verändert wurden
Zu Empfehlungen betreffend Kennzeichnungsaspekte bei Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten, die durch bestimmte Verfahren gentechnisch verändert wurden, hat es erneut keine Verständigung gegeben. Die Positionen der EU und der USA konnten nicht angenähert werden. Es wird nun erneut eine Übersicht der unter-schiedlichen Positionen verschickt, die mit eckigen Klammern versehen werden und die einzelnen Staaten sind aufgefordert worden, ihre jeweilige Haltung bis zur nächsten Sitzung zu begründen.
Anpassung des Allgemeinen Codexstandards für die Kennzeichnung vor-verpackter Lebensmittel (STAN 1-1985) an die Codex-Leitlinien für Klassennamen und das Internationale Nummerierungssystem für Lebensmittelzusatzstoffe (CAC/GL 36-1989)
Nachdem die CAC in 2009 Änderungen der Codex-Leitlinien für Klassennamen und das Internationale Nummerierungssystem für Lebensmittelzusatzstoffe (CAC/GL 36-1989) beschlossen hatte, musste der Allgemeinen Codexstandards für die Kennzeichnung vorverpackter Lebensmittel (STAN 1-1985) angepasst werden. So wird die Zusatzstoffklasse „Säuren“ gestrichen, da die in diese Klasse fallenden Stoffe in die Klasse „Säureregulatoren“ aufgenommen wurden; u. a. Bleichmittel und Komplexbildner werden als neue Zusatzstoffklassen aufgeführt; Trägerstoffe und Verpackungsgase werden nicht als neue Klassen aufgenommen und sind somit weiterhin nicht zu kennzeichnen. Bei der Verwendung von Verpackungsgasen soll aber der Hinweis in der Kennzeichnung erfolgen: “Verpackt in einer Schutzatmosphäre“. Das CCFL folgte damit dem Vorschlag von IDF und der EU-Kommission.
Öffnung der Codexstandards für Milch und Milchprodukte
Kanada hat vor Jahren beantragt, die Codexstandards für Milch und Milchprodukte zu liberalisieren. Unter dem Deckmantel der WHO Global Strategy on Diet, Physical Activity and Health wollte es die Produktdefinitionen modifizieren, um so die Möglichkeit zu erhalten, z. B. Standardbezeichnungen zu verwenden, obwohl die festgelegten Produktanforderungen nicht eingehalten werden.
Es konnte in der letzten Sitzung des CCMMP erreicht werden, dass dieses ein klares Bekenntnis zu den Codexstandards für Milch und Milchprodukte, die die Identität der jeweils geregelten Produkte garantieren, abgegeben hat. Festgestellt wurde, dass der Allgemeine Codexstandard für die Verwendung von Milcherzeugnissen (STAN 206-1999), der den Regelungen des europäischen Bezeichnungsschutzes für Milch und Milchprodukte entspricht (Anhang XII EG-Verordnung 1234/2007), hinreichende Regelungen enthält, die in den einzelnen Codexstandards zur Wahrung der Produktidentität ohne Ausnahme einzuhalten sind. Da es für Milchprodukte bereits abschließende Codex-Regelungen gibt, sind weitere allgemeine Kennzeichnungsvorschriften nicht erforderlich.
Die USA und Kanada, die sich weiterhin für eine entsprechende „Aufweichung“ der Codexstandards für Milchprodukte aussprechen, haben in der Sitzung beantragt, diesen Aspekt weiter im Rahmen der Umsetzung der WHO Global Strategy on Diet, Physical Activity and Health in den Codex Alimentarius zu behandeln. Dies konnte erfolgreich verhindert werden. Da das CCFL aber noch nicht aus allen Codex-Produktkomitees Stellungnahmen zu diesem Aspekt erhalten hat, wurde die weitere Diskussion hierüber auf die nächste Sitzung vertagt.
Definition des Begriffs „natürlich“
Die International Association for Development of natural Gums (AIDGUM) hat beantragt, den Begriff “natürlich” für Lebensmittel, Lebensmittelzutaten und Lebensmittelzusatzstoffe, die keiner chemischen Behandlung unterworfen wurden, in den Codex-Leitlinien zur Nährwertkennzeichnung (CAC/GL 2-1985) zu definieren. Dieser Antrag wurde vom CCFL abgelehnt.
Quelle: Bericht Dr. J. Rieke (MIV), gekürzt
Die Analytische Woche fand vom 17. – 21. Mai in Montreal (Kanada) statt.
Dieses Jahr wurde die Analytische Woche in Montreal von IDF und ISO mit Unterstützung vom kanadischen IDF sowie Valacta organisiert. Insgesamt waren über 120 analytische Experten und Wissenschaftler angereist um die Arbeit an den ISO/IDF Standards für die Milchanalytik fortzusetzen. Die deutsche Delegation war mit dreizehn Personen vor Ort vertreten. Vor Beginn der Analytischen Woche stand ein Treffen der deutschen Delegation auf dem Programm, um eine möglichst deckende Teilnahme an den Projektgruppensitzungen, sowie Abklärung eventueller Prioritäten zu gewährleisten. Damit war eine breite deutsche Teilnahme an den tagenden IDF-Ausschüssen und eine entsprechende Interessensvertretung gegeben.
Zur Eröffnung begrüßte der IDF Präsident Richard Doyle die Experten und bedankte sich für die bisherige gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. Jaap Evers aus Neuseeland erläuterte die Bedeutung der beratenden Funktion von IDF beim Codex Alimentarius und stellte die somit gegebenen Möglichkeiten der Beteiligung bei der Erarbeitung der die Milchwirtschaft betreffenden Codex Standards dar. Vom IDF wurde nochmals die neue Organisationsstruktur der Analytischen Arbeitsgruppen vorgestellt und die Aufgaben der einzelnen Gruppen erläutert. Unter der Methoden Standard Koordinierungsgruppe (Method Standard Steering Group MSSG) arbeiten 6 Ständige Ausschüsse (Standing Committees SC). Die Ständigen Ausschüsse sind formelle Gremien, deren Aufgabe im Wesentlichen darin besteht den Fortschritt der einzelnen Projektgruppen zu überprüfen und für spezifische Probleme, die in den Projektgruppen identifiziert wurden, nach Lösungen zu suchen. In den SCs werden neue Arbeitsvorschläge sowie Prioritäten diskutiert. Die Mitglieder der Ständigen Ausschüsse werden von dem jeweiligen National Komitee nominiert.
In jedem dieser Ausschüsse gibt es ein Koordinationskomitee (Cordination Committee CC), das sich aus bis zu 6 Hauptmitgliedern des SC zusammensetzt. Das CC ist ein informelles Gremium, welches unter anderem für die Pflege der Kontaktdatenbank, für die Überprüfung der Arbeit der einzelnen Projektgruppen, sowie für Unterbreitung von Vorschlägen für neue Experten und für die Vorbereitung neuer Projekte zuständig ist.
Das CC soll regelmäßig in vierteljährlichen Abständen der MSSG über den Fortschritt der Arbeit berichten.
Direkt unter den SCs arbeiten die einzelnen Projektgruppen. Die Projektgruppen sind nicht an einen formellen Ablauf gebunden. Sie können mehrmals im Jahr tagen oder über Telefonkonferenz sowie Email die Arbeit voran bringen. Experten, die sich aktiv an einem Projekt beteiligen wollen, müssen nicht in einem SC sein. Der somit reduzierte Grad der Formalitäten in den einzelnen Projektgruppen soll die Expertenarbeit erleichtern. Die Projektgruppen, bestehend aus aktiven ehrenamtlich tätigen Experten, können sich so auf ein bestimmtes, genau definiertes Thema konzentrieren. Sie haben eine begrenzte Lebensdauer und werden gebildet, wenn ein neuer Arbeitsvorschlag vom SC angenommen wurde.
Die wesentlichen Ziele sind, die Arbeit so schneller voran zu bringen und mehr Experten die Möglichkeit zu geben an einzelnen Projekten mitzuarbeiten.
Auf der diesjährigen Analytischen Woche tagten am Montag und Dienstag ca. 35 von momentan ca. 65 bestehenden Projektgruppen. Am Mittwoch wurde ein Symposium zu dem Thema Internationale Äquivalenz im Milchsektor - Methoden und Vorschriften angeboten. Hier stellten die USA, Kanada, die EU und Neuseeland die jeweiligen nationalen Systeme vor. An den letzten beiden Tagen trafen sich die Ständigen Ausschüsse und es wurden unter Anderem die Ergebnisse aus den Projektgruppensitzungen eingebracht, neue Projekte diskutiert und bestehende Standards überprüft.
Folgende Ausschüsse tagten:
Unter dem Vorsitz deutscher Experten tagten das SCHMM (Dr. Becker) und das SCAMDM (Dr. Friedrich).
Die nächste IDF / ISO Analytische Woche findet vom 23. Bis 27. Mai 2011 in Lyon (Frankreich) statt.
Auf der diesjährigen Analytischen Woche war die deutsche Delegation mit dreizehn Experten vor Ort, somit war in allen Sitzungen der Ständigen Ausschüsse eine Teilnahme gewährleistet.
VDM / MW - Von den sechs Ständigen Ausschüssen lassen sich vier dem chemisch analytischen Bereich zuordnen und zwei beschäftigen sich mit den mikrobiologischen Analysemethoden.
Folgende Projekte wurden im chemisch analytischen Bereich bearbeitet:
SC AMC – Komitee für Analysemethoden für die Hauptzusammensetzung der Milch
Unter diesem SC sind alle Projekte zur Analyse von Fett, Proteinen und Kohlehydraten angesiedelt. Die Bearbeitung der Standards ISO 1211 | IDF 1- Bestimmung des Fettgehaltes in Milch sowie ISO 26462 | IDF 214 – Enzymatische Bestimmung von Lactose in Milch mittels pH-Differenzmessung konnte abgeschlossen werden und die Standards werden demnächst veröffentlicht. Der Standard ISO 12779 | IDF 227 – Bestimmung des Wassergehaltes in Lactose – Karl Fischer Methode konnte weitestgehend zum Abschluss gebracht werden und steht Ende des Jahres zur Veröffentlichung an. Aus der Arbeitsgruppe, die sich mit der Bestimmung von Fremdfett mittels Triglyceridanalyse (ISO 17678 | IDF 202. Milk fat – Detection of foreign fats by GLC analysis of triglycerides (Reference method)) beschäftigt, wurde über die bisher vorliegenden Ergebnisse zur Untersuchung von Milchproben aus China, Indien und Pakistan berichtet. Da noch nicht alle Daten aus dieser Untersuchung vorliegen, ergeben sich mehrere Möglichkeiten zum Verlauf dieses Projekts. Sollte den Daten zufolge die allgemeine Anwendung des Standards nicht gegeben sein, so wird ein neuer Arbeitsvorschlag vorgelegt. Sollte es nur geringfügige Abweichungen geben, wird eine entsprechende warnende Ergänzung zu dem Standard erarbeitet.
Eine weitere Projektgruppe beschäftigt sich mit der Überarbeitung des Standards zur Bestimmung des Stickstoffgehaltes Teil 1 und 2. Der Anwendungsbereich des Teil 1 wurde um Milch von anderen Tierarten und Käse erweitert. Es wurde ein Ringversuch mit Milchpulver durchgeführt an dem 17 Labore teilnahmen. Wenn alle Daten vorliegen und die statistische Auswertung erfolgt ist, soll dies in einem IDF Bulletin veröffentlicht werden. Der Endentwurf soll Anfang 2011 vorliegen. Der Teil 2 wird ebenfalls überarbeitet ein Entwurf soll bis Ende August in Umlauf gebracht werden.
Zum Standard ISO 27871 | IDF 224 Käse – Bestimmung der Stickstofffraktion liegt den Nationalkomitees und den ISO Mitgliedern ein Entwurf vor, der noch bis Ende Juni kommentiert werden kann. Nach Überprüfung der Kommentare soll der überarbeitete Entwurf Ende September vorliegen und die Ringversuchsergebnisse im IDF Bulletin veröffentlicht werden. Es wurde im SC diskutiert die Technische Spezifikation ISO / TS 11869 | IDF / RM 150 Joghurt - Bestimmung der titrierbaren Säure - Potentiometrische Methode für die Anwendung auf Milch zu erweitern. Der Arbeitsausschuss zeigte jedoch kein Interesse daran. Es ist geplant den Entwurf Anfang 2011 vorzulegen. Es wurde des Weiteren ein Arbeitsentwurf des Standards ISO 15151 | IDF 229 Milch und Milchprodukte - Bestimmung von Calcium, Kupfer, Eisen, Magnesium, Mangan, Phosphor, Kalium, Natrium und Zink mittels induktiv gekoppeltem Plasma-Atom-Emissionsspektrometrie Methode (ICP-AES) erstellt. Es findet in nächster Zeit ein internationaler Ringversuch statt.
Folgende Projekte sind weiterhin von Interesse. Zum einen die Bestimmung von gekennzeichneten Fettsäuren, wie gesättigte Fettsäuren, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte cis-Fettsäuren, Transfettsäuren (TFA) und konjugierte Linolsäuren (CLA) in Milch und Milchprodukten sowie Kindernahrungsmitteln. Hierzu soll ein neuer Arbeitsvorschlag erstellt und den Nationalkomitees zur Abstimmung vorgelegt werden, sowie ein internationaler Ringversuch mit Milchpulver und Säuglingsnahrung vorbereitet werden. Die Quantitative Bestimmung einzelner Proteine in Rohmilch ist ebenfalls von Interesse. Allgemein wurde dazu festgestellt, dass hier verschiedene Bestimmungsverfahren in Frage kommen, wobei die jeweiligen Protein-Standards als hochreine Verbindungen nur schwer verfügbar sind. Es soll zunächst ein Entwurf erstellt und den Nationalkomitees vorgelegt werden.
SC AMAC – Komitee für Analysemethoden für Zusatzstoffe und Kontaminanten
Eine Arbeitsgruppe befasst sich mit dem Nachweis von Antibiotika-Rückständen mittels Screening-Testmethoden in Milch, Milchprodukten, Milchpulver, Kondensmilch und anderen Fertigmilchprodukten. Mittels einer Umfrage unter den Mitgliedern der Projektgruppen und den Testkitherstellern wurden Informationen zu den augenblicklich angewandten Tests und Vorgehensweisen gesammelt. Die erste Sichtung ergab aber, dass keine einheitlichen Verfahren oder noch keine durch Vergleichsstudien belegbare oder gar anerkannte Verfahren vorliegen. Es wurde beschlossen noch zusätzliche Informationen zu sammeln. Um die Arbeiten in diesem Bereich stärker einzugrenzen, soll der Fokus auf die im internationalen Markt hauptsächlich gehandelten Produkte (Milchpulver usw.) gelegt werden. Als nächster Schritt wird eine Liste der wichtigsten Produkte erstellt und danach entschieden, welche Produkte hinsichtlich der verwandten Screening-Tests als Erstes bearbeitet werden sollen. In einer weiteren Arbeitsgruppe wurde eine Methode zur Bestimmung von Lysozym in Käse mittels HPLC (und Bestätigung durch LC/MS) erarbeitet und validiert. Mittels eines Ringversuches konnte erfolgreich gezeigt werden, dass ein Lysozymnachweis in Milch wie auch in Käse mit dieser Methode zuverlässig gelingt. Die Methodenbeschreibung und die Ergebnisse des Ringversuchs werden im IDF Bulletin und als „ISO/TS“ (Technischer Standard) veröffentlicht.
Ausgelöst durch die Melamin-Krise in China wurde während des letzten Jahres in einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe ein Leitfaden zur quantitativen Bestimmung von Melamin und Cyanursäure in Milch, Milchprodukten und Kindernahrung mit Hilfe von LC-MS/MS erarbeitet. Dieser soll nun als ISO/IDF-Standard veröffentlicht werden. Durch Anwendung des „criteria approach“ ist die Durchführung eines Ringversuches dafür nicht notwendig. Es wurde diskutiert, ob auch Schnelltestmethoden in den Standard mit aufgenommen werden sollten. Bei den anwesenden Experten war allerdings hierfür kein Bedarf zu erkennen.
Ein weiteres Projekt, das schon im letzten Jahr angedacht worden war und sich mit den Systemen zum Nachweis von und dem Umgang mit Antibiotikarückständen in Milch befassen soll, wurde dieses Jahr präzisiert und auf den Weg gebracht. Das Projekt soll die Strategien zum Nachweis von Antibiotikarückständen in Milch näher beleuchten und einen Leitfaden für die Anwendung von Screening- und Bestätigungsmethoden geben, der bis 2013 in einem IDF Bulletin publiziert werden soll. In diesem Leitfaden sollen für die gesamte Lebensmittelkette Milch allgemeingültige Strategieoptionen für den Bereich der Rückstandsvermeidung von Antibiotikarückständen aufgezeigt werden. Der Leitfaden soll alle Aspekte von der korrekten Probenahme über den Transport bis hin zur Milchannahme in der Molkerei, die Rückverfolgbarkeit so wie auch die Grundsätze der sachgerechten Durchführung von Tests und deren korrekte Interpretation umfassen. Auch soll das Vorgehen für die richtige Wahl der Testmethode für das Screening wie auch deren Validierung erläutert werden. Da als Zielgruppe alle Teilnehmer der Lebensmittelkette Milch angesprochen werden sollen, soll der Leitfaden weniger als technisches Papier, sondern besonders leicht verständlich abgefasst sein. Es wurde beschlossen einen entsprechenden Vorschlag für ein neues Projekt (new work item, NWI) zu entwerfen und den IDF-Mitgliedern zur Beurteilung und Beschlussfassung vorzulegen.
Als neues Projekt wurde ein Vorschlag aufgegriffen, der sich mit der Optimierung der ISO/IDF-Methode zur Bestimmung von Benzoesäure oder Sorbinsäure (ISO 9231|IDF 139:2008) befasst. Ziel ist es, die Durchführungsdauer für die Methode zu verkürzen und die Sensitivität zu verbessern. Es wurde dafür bereits ein Vorschlag erarbeitet und die vorgelegten Daten zeigen, dass die neu modifizierte Methode der bisherigen deutlich überlegen ist. Dieses neue Projekt wurde angenommen und der Projektleiter wird nun für den nötigen Ringversuch unter den ihm bekannten Experten potentielle Teilnehmer ansprechen. In der Sitzung wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass ISO nunmehr alle CEN-Methoden für die Bestimmung von Vitaminen (horizontale Methoden) als ISO-Standards anerkannt hat. CEN wird auch künftig für die Revision der Methoden verantwortlich zeichnen. IDF ist über die Kooperation mit ISO somit in diesem Bereich repräsentiert.
SC SA – Komitee für Statistik, Probenahme und Automatisierung
In der Projektgruppe zu neuen Anwendungen der MIR-Spektrometrie bei der Untersuchung von Milch- und Milchprodukten befassen sich Experten mit der Darstellung des aktuellen Standes der Technik. Aktuell wird eine Veröffentlichung im IDF Bulletin über die Untersuchung der Hauptfettsäuren-Gruppen in Milch mittels FTIR vorbereitet. Die Methode ist vor allem als kostengünstige Screening-Methode im Einsatz und ist als Hilfsmittel zur Optimierung der Milchproduktion (Verbesserungen in der Fütterung, Chance zur Optimierung von Zuchtprogrammen) und zur Unterstützung der Milchverarbeiter gedacht. Eine Arbeitsgruppe des SC SA ist mit der Revision des ISO/IDF-Leitfadens zum Betrieb von MIR-Geräten für die Untersuchung von Fett, Eiweiß und Laktose in Milch (ISO 9622 | IDF 141 Whole Milk – Fat, Protein and Lactose Content - Guidance on the Operation of Mid-Infra Red Instruments) beschäftigt. Hier steht bei der Arbeit in erster Linie die Anpassung des Standards an die modernen MIR-Verfahren im Vordergrund. Neben der Beschreibung des Funktionsprinzips geht es vor allem um die Einflussfaktoren auf die IR-Messung, um Kriterien der Kalibrierung und die Validierung der Ergebnisse.
In einer weiteren Arbeitsgruppe will nunmehr auch IDF die Arbeit an einem Standard zur automatischen Probennahme bei Milch und Milchprodukten aufnehmen. Der Standard soll die eingesetzten Verfahren beschreiben, Kriterien für die Validierung und Überprüfung definieren und die korrekte Verwendung beleuchten. Zunächst geht es um die Sichtung der bereits vorhandenen nationalen Standards und Prozeduren, sowie um einen ersten Entwurf für eine internationale Norm. Es wurde klargestellt, dass sich der Standard im Bereich der flüssigen Milch ausschließlich auf Verarbeitungsmilch beziehen wird und nicht die Probenahme im Bereich der Milchleistungsprüfung umfasst. Die Diskussion zeigte auch, dass eine enge Abstimmung mit anderen Organisationen, die in ähnlichen Bereichen tätig sind (wie ICAR, ISO, FAO u.a.), sichergestellt werden muss.
Breiten Raum nahmen die Projektgruppensitzung und der dazu gehörende Bericht im SC SA zum Thema Referenzsystem für die Zellgehaltsbestimmung ein. In einem Modellprojekt soll in Zusammenarbeit zwischen IDF und ICAR (International Committee on Animal Recording) gezeigt werden, wie durch intelligente Netzwerkbildung und internationale Kooperation für schwierig zu definierende Analyseparameter ein „Ankersystem“ geschaffen werden kann, das eine zuverlässige Analytik unterstützt und ein allerseits anerkanntes Niveau der Analyseergebnisse sicherstellt. Das Projekt erfreut sich mittlerweile eines regen Zuspruchs und so sind derzeit bereits 20 Projektmitglieder aus 14 Ländern und drei Kontinenten aktiv beteiligt. In einem ersten Projektplan (basierend auf einer Veröffentlichung von Dr. Christian Baumgartner im IFD Bulletin 427/2008) wurden die Arbeitsschritte skizziert und ein Zeitplan für die Umsetzung erstellt. Aktuell werden einige Fragebögen vorbereitet, die sowohl die Hersteller von Referenzmaterialien als auch die nationalen Referenz- und Routinelabors identifizieren sollen wie auch Informationen über bereits bestehende Ringversuchs- und Proficiency Test Systeme zusammen tragen sollen. Der Frage der optimalen Herstellung und Charakterisierung eines benötigten Referenzmaterials wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet, genauso wie den Werkzeugen, die nötig sind, um die Kompetenz von (Referenz)Labors beurteilen und mit in statistische Modelle einbeziehen zu können. In Kürze wird für das Projekt eine eigene Website mit den wichtigsten Informationen zur Verfügung stehen. Der Abschluss des Projekts ist für 2013 terminiert.
SC AMPAI – Komitee für Analysemethoden für Prozessstoffe und Indikatoren
Dieser Arbeitsausschuss beschäftigte sich unter anderem mit der Bestimmung der Lactoperoxidase Aktivität – Photometrische Methode (ISO 17193 | IDF 208. Milk – Determination of Lactoperoxidase Activity: Photometric Method). Da für die Bearbeitung dieses Standards der Projektleiter nicht mehr zur Verfügung steht wurde beschlossen diesen Standard nun als Technische Spezifikation zu veröffentlichen. Das Projekt ISO 13082 | IDF 218 Milch und Milcherzeugnisse - Pregastric Lipaseaktivität konnte soweit vorangebracht werden, dass es noch in 2010 zum Abschluss kommt. Die Ergebnisse des Ringversuches waren zwar nicht befriedigend, sollen jedoch in den Standard eingebracht und in einem IDF Bulletin veröffentlicht werden. Ebenfalls im Endstadium befindet sich die Bearbeitung der ISO 15163 | IDF 110 Milch und Milcherzeugnisse - Kälberlab und Rinder Pepsin - Bestimmung von Chymosin und Pepsin Bovine - Chromatographische Methode.
Die Ringversuchsergebnisse sollen ebenfalls in einem IDF Bulletin veröffentlicht werden. Der Endentwurf des überarbeiteten Standards ISO 15174 | IDF 176 Milch und Milcherzeugnisse - Mikrobielle Gerinnungshilfsstoffe - Bestimmung der Milch-Gerinnungsaktivität wird Ende diesen Jahres fertiggestellt. Der Standard ISO 11816-1 | IDF 155-1. Milch und Milchprodukte - Bestimmung der Aktivität der alkalischen Phosphatase - Teil 1: Fluorometrische Methode für Milch und Milchmixgetränke und Teil 2 - Milch und Milchprodukte - Bestimmung der Aktivität der alkalischen Phosphatase - Teil 2: Fluorometrische Methode für Käse sollen aktualisiert werden. Zur Bestimmung in Käse ist ein Ringversuch vorgesehen.
Zudem wurde als neues Arbeitsprojekt angeregt, Daten über den Gehalt an Phosphatase in Käse zu sammeln. Der Projektvorschlag wurde nach eingehender Diskussion an die National Komitees zur Abstimmung weitergeleitet. Ein anderer Projektvorschlag, Pasteurisierung Tracer – verschiedene Enzym Indikatoren für Pasteurisierung bei anderen Spezies, beschäftigt sich damit, andere Indikatoren für Wärmebehandlung zu identifizieren, wie Glutamyltransferase. Die interessierten Parteien sind aufgefordert ihre Methoden einzusenden.
Publikation im chemisch analytischen Bereich seit der Analytischen Woche 2009
Quellen: Berichte von Dr. C. Baumgartner, Prof. H. Frister, Dr. A. Adriany
Auf der diesjährigen Analytischen Woche tagten die Ständigen Ausschüsse, die sich mit Analytischen Methoden im Bereich der Mikrobiologie befassen am 20. Und 21. Mai.
VDM / MW – Die zwei Ständigen Ausschüsse, SCHMM – Komitee für Harmonisierung der Mikrobiologischen Analysemethoden und SCAMDM – Komitee für Analysemethoden für Mikroorganismen in der Milchwirtschaft tagten unter Deutschem Vorsitz. Folgende Projekte wurden im mikrobiologischen analytischen Bereich bearbeitet:
Aus dem SC HMM – Komitee für Harmonisierung der Mikrobiologischen Methoden
Das Standing Committee on Harmonization of Microbiological Methods (SCHMM) ist das Nachfolgegremium des Joint Action Team (JAT) on Microbiological Harmonization. Im Rahmen der Neustrukturierung des Analytischen Bereichs war beschlossen worden, dieses mit dem gesamten Bereich der Entwicklung bzw. Harmonisierung mikrobiologischer Untersuchungsverfahren für pathogene Keime, Verderbserreger und Markerkeime befaßte JAT als Standing Committee (SC) neu zu organisieren.
Auf der Tagesordnung der SCHMM-Sitzung stand die Diskussion mehrerer Arbeitsprojekte sowie die Besprechung und Vorbereitung der Plenarsitzungen von ISO/TC 34/SC 9 (Food Products – Microbiology) und CEN/TC 275/WG 6 (Microbiology of the food chain) im Mai/Juni 2010 in Buenos Aires. Soweit deren Ergebnisse für den vorliegenden Kurzbericht von Bedeutung sind, werden sie hier ebenfalls erwähnt. Zwischen IDF|ISO/TC 34/SC 5 (Milk and milk products) einerseits und ISO/TC 34/SC 9 andererseits besteht eine enge Verbindung ("liaison"), da, wenn immer möglich, gemeinsame horizontale (für alle Lebensmittel anwendbare) Standards entwickelt werden sollen ("Harmonisierung"). Da manche europäischen Projekte im Rahmen der Wiener Vereinbarung zwischen ISO und CEN auch von CEN/TC 275/WG 6 bearbeitet werden, erstreckt sich in diesen Fällen die Verbindung auch auf das letztgenannte Gremium.
Arbeitsprojekte
Projekt H01: ISO 8621|IDF 122 – Milk and milk products – General guidance for the preparation of test samples, initial suspensions and decimal dilutions for microbiological examination
Dieser vertikale Standard soll in die horizontale Serie von Probenvorbereitungsnormen EN ISO 6887 – Microbiology of food and animal feeding stuffs – Preparation of the test samples, of initial suspension and of decimal dilutions for microbiological examination als Teil 5 integriert werden. Die Erarbeitung der Methode erfolgte auf der Basis von ISO 8621|IDF 122 und unter Projektleitung von IDF|ISO/TC 34/SC 5. Mit der Veröffentlichung von EN ISO 6887-5 ist im September 2010 zu rechnen. Anschließend wird der vertikale Standard (ISO 8621|IDF 122) zurückgezogen.
Projekt H02: ISO/TS 11059|IDF/RM 225 – Milk and milk products – Enumeration of Pseudomonas spp.
Im Fall dieser "Technical Specification" (in der IDF-Terminologie: "Reviewed Method") war eine Harmonisierung mit dem entsprechenden ISO/TC 34/SC 9-Standard für Fleisch- und Fleischerzeugnisse aufgrund methodischer Differenzen nicht möglich, so dass eine vertikale (für Milch und Milchprodukte anwendbare) Methode entwickelt werden musste. Die Norm wurde inzwischen publiziert.
Projekt H03: ISO/TS 22964|IDF/RM 210 – Milk and milk products – Detection of Enterobacter sakazakii
Diese vertikale Technische Spezifikation war 2006 von IDF|ISO/TC 34/SC 5 veröffentlicht worden, mit der Absicht den Herstellern von Milchtrockenprodukten bzw. von Säuglings- und Kleinkindernahrung auf Milchbasis möglichst rasch ein geeignetes Untersuchungsverfahren an die Hand zu geben. Unmittelbar im Anschluß sollte die Optimierung und Weiterentwicklung der Methode als horizontaler Standard erfolgen. Da es sich um eine Referenzmethode im Sinne der Verordnung (EG) 2073/2005 über mikrobiologische Kriterien für Lebensmittel handelt, wird das Verfahren im Rahmen der Wiener Vereinbarung bei CEN/TC 275/WG 6 erarbeitet. Letzteres gilt im Übrigen für alle in der VO 2073/2005 genannten Referenzmethoden. Mit ihrer Standardisierung, Optimierung und insbesondere auch mit der Validierung hat die EU bereits vor einigen Jahren CEN/TC 275/WG 6 beauftragt (EU-Mandat M/381). Leider wurden die zur Durchführung des Mandats notwendigen Gelder bis heute nicht zugeteilt, so dass die Bearbeitung der betroffenen Verfahren seit längerem stagniert.
Bei dem inzwischen vorgelegten Entwurf für eine horizontale Methode zum Nachweis von Enterobacter sakazakii (nach der neuen Nomenklatur Cronobacter spp.) sollte es sich nach der Intention der Projektgruppe um ein Screening-Verfahren handeln. Dies ist für ein Referenzverfahren ungewöhnlich und wurde weder vom SCHMM noch von ISO/CEN akzeptiert. Als nächster Schritt ist ein Ringversuch zur Erstellung von Leistungs- und Validierungdaten geplant.
Projekt H04: ISO 6730|IDF 201 Milk – Enumeration of colony-forming units of psychrotrophic microorganisms – colony count technique at 6,5 °C
Beim Vergleich dieses zur regelmäßigen Überprüfung anstehenden Verfahrens mit der entsprechenden horizontalen Methode ISO 17410 hatte sich gezeigt, dass eine Harmonisierung möglich ist, sofern einige milchspezifische Anforderungen eingearbeitet werden. Das Projekt wurde an ISO/TC 34/SC 9 übertragen. Die Projektleitung liegt bei IDF.
Allgemeine zur Diskussion stehende Projekte
Hierbei handelt es sich im wesentlichen um auch den Milchsektor betreffende Projekte und Resolutionen von ISO/TC 34/SC 9, die in der SCHMM-Sitzung vorgestellt, diskutiert und gegebenenfalls auch genehmigt werden müssen. Den meisten ISO/TC 34/SC 9-Arbeitsgruppen gehören inzwischen offizielle IDF|ISO/TC 34/SC 5-Vertreter an, die regelmäßig dem SCHMM über die entsprechenden Sitzungen berichten. Da es sich um insgesamt etwa 20 verschiedene Projekte handelt, kann auf Einzelheiten im Rahmen dieses Kurzberichts nicht eingegangen werden. Nur einige besonders wichtige Punkte sollen hier erwähnt werden.
Projekt H12: Revision of EN ISO 6579 Detection of Salmonella spp.
Dieses Verfahren ist zumindest für die Untersuchung einiger Milcherzeugnisse (Käse, Milchtrockenprodukte) nicht geeignet, weshalb eine Harmonisierung bisher nicht möglich war. Durch die Revision soll unter anderem auch dieses Problem gelöst werden. Unter anderem wurde beschlossen, den Standard in drei Teile zu gliedern (1. Nachweis von Salmonellen, 2. Zählung von Salmonellen mit einem miniaturisierten MPN-Verfahren, 3. Serotypisierung). Außerdem werden Methoden zum Nachweis im Bereich der Primärproduktion sowie zum Nachweis von S. Typhi und S. Paratyphi integriert. Ein Ringversuch zur Auswahl eines flüssigen Selektivmediums ist durchgeführt worden. Weitere Untersuchungen zur Eignung eines halbfesten Selektivmedium (MSRV) sowie zur Verbesserung der Praktikabilität des Nachweisverfahrens (z. B. Lagerung der Vor- und Selektivanreicherungen bei Kühlungstemperaturen, ausführliche Beschreibung der Kriterien für die Auswahl des zweiten, freien festen Selektivnährbodens) sind in Bearbeitung.
Projekt H14: Contaminants in starters and probiotics
Da Starterkulturen und Probiotika nicht nur im Milchbereich eine Rolle spielen, war das Projekt zwecks Erstellung eines horizontalen Standards 2009 an ISO/TC 34/SC 9 übertragen worden. Die Arbeitsgruppe, in der sich drei IDF-Vertreter befinden, hatte inzwischen ihre erste Sitzung, auf der die Grundstrukturen einer zweiteiligen Norm und die zu erfassenden Kontaminanten festgelegt wurden.
Projekt H17: ISO 6611|IDF 94 Milk and milk products – Enumeration of colony-forming units of yeasts and moulds – colony count technique at 25 °C
Bei der regelmäßigen Überprüfung dieses vertikalen Standards war von den Mitgliedern des ehemaligen JAT eine Harmonisierung mit der entsprechenden horizontalen Methode ISO 21527, Teil 1 und 2 empfohlen worden. Während der Sitzung in Montreal wurden von der Projektleiterin die Ergebnisse einer Vergleichsstudie zwischen den im vertikalen und horizontalen Verfahren eingesetzten Nährboden präsentiert. Die Mitglieder des SCHMM empfahlen auf Grund der Verwendung unterschiedlicher Nährböden in Abhängigkeit von der Wasseraktivität des Probenmaterials, wie sie im horizontalen Standard vorgesehen ist, von der geplanten Harmonisierung wieder Abstand zu nehmen. Dies würde bedeuten, dass z. B. im Verlauf der Käsereifung oder bei der Untersuchung verschiedener Rohstoffe unterschiedliche Medien eingesetzt werden müssten. Dieses Argument wurde vom IDF-Vertreter bei der ISO-Plenarsitzung in Buenos Aires eingebracht und von deren Teilnehmern akzeptiert.
Aus dem SC AMDM – Komitee für Analysemethoden für Mikroorganismen in der Milchwirtschaft
Im Projekt Milch und Milchprodukte – Bestimmung von Probiotika Teil1: Methode der Stammidentifizierung wurde auf Grund des letzten Treffen des früheren „JAT on Safety and Functionality of Beneficial Microorganisms“ im September 2009 in Berlin die ursprüngliche Arbeit eingestellt. Im Rahmen der Auswertung eines internationalen Ringversuches wurde festgestellt, dass mit der Pulse Field Gel Electrophoresis (PFGE) keine reproduzierbaren Ergebnisse erzielt werden konnten und eine Standardisierung dieses Verfahrens praktisch nicht möglich ist. Deshalb wurde die ursprüngliche Absicht aufgegeben, ein Standardverfahren zur Stammidentifizierung zu erarbeiten. Geplant ist nunmehr, stattdessen „Guidelines“ zu diesem Verfahren zu erarbeiten. Von Seiten des Projektleiters soll bis Ende September 2010 ein Arbeitspapier erstellt und den SC- und ISO-Mitgliedern zur Abstimmung vorgelegt werden.
Die Arbeit der Projektgruppe, die sich mit der Überarbeitung des Standards IDF 223 / ISO 10932 Milch und Milcherzeugnisse - Bestimmung der minimalen Hemm-Konzentration (MHK) von Antibiotika zur Anwendung bei Bifidobakterien und Nicht-Enterokokken-Milchsäurebakterien beschäftigte, sind abgeschlossen. Der Standard konnte im Nachgang der Analytischen Woche veröffentlicht werden.
Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt dieses Ausschusses ist die Bestimmung von Probiotika in Milch und Milchprodukten: Teil 2 Leitfaden zur Identifizierung der Spezies. In der Projektgruppe wurde ein Arbeitsentwurf „Working Draft“ der Projektleitung diskutiert, der nach Fertigstellung als Neuer Arbeitsvorschlag „New Work Item: Guidelines on identification of species (taxonomy)“ an die ISO zur Abstimmung geschickt werden soll. Die Projektleitung soll hinsichtlich der Zielsetzung in einer Überarbeitung des Arbeitspapiers u.a. folgende Punkte klar legen:
Im Rahmen einer Stoffsammlung wurden folgende mögliche neue Arbeitsthemen zusammengetragen und diskutiert.
Um die Stoffsammlung zu erweitern und Informationen darüber zu bekommen, welche standardisierten Nachweisverfahren benötigt werden, wurde beschlossen, eine Umfrage an die Mitglieder des SC und an die Nationalen Komitees zu versenden. Zur routinemäßigen Überprüfung standen in diesem Jahr keine internationalen Standards, die in Beziehung zum SC AMDM stehen, an.
Quelle: Bericht Dr. H. Becker, Bericht Dr. K. Friedrich
Regelmäßig veröffentlicht der Internationale Milchwirtschaftsverband (IDF) Bulletins und Standards in elektronischer Form als Berichte und Ergebnisse seiner Arbeit.
VDM / MW - Folgende Bulletins und Standards sind über IDF bzw. die Website www.fil-idf.org in englischer Sprache teilweise auch in französischer Sprache erhältlich:
Veröffentlichte Normen, Vornormen und Technische Berichte:
Dokumenten - Nr. |
Titel |
DIN EN 1276 |
Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika - Quantitativer Suspensionsversuch zur Bestimmung der bakteriziden Wirkung chemischer Desinfektionsmittel und Antiseptika in den Bereichen Lebensmittel, Industrie, Haushalt und öffentliche Einrichtungen - |
DIN EN ISO 13366-1 Berichtigung 1 |
Milch - Zählung somatischer Zellen - Teil 1: Mikroskopisches Verfahren (Referenzverfahren) (ISO 13366-1:2008); Deutsche Fassung EN ISO 13366-1:2008, |
DIN SPEC 1042; |
DIN SPEC (Vornorm), Mikrobiologie von Lebensmitteln und Futtermitteln - Horizontales Verfahren zum Nachweis und zur Zählung von Campylobacter spp. - Teil 3: Semiquantitatives Verfahren |
DIN 10508 |
Lebensmittelhygiene - Temperaturen für Lebensmittel |
DIN EN 15842 |
Lebensmittel - Nachweis von Lebensmittelallergenen - Allgemeine Betrachtungen und Validierung von Verfahren |
DIN EN ISO 17678 |
Milch und Milcherzeugnisse - Bestimmung der Reinheit des Milchfetts durch gaschromatographische Triglyceridanalyse (Referenzverfahren) |
Neue Normentwürfe:
Geplante Dok.- Nr. |
Titel |
ISO 3656 |
Tierische und pflanzliche Fette und Öle - Bestimmung der Ultraviolett-Absorption, ausgedrückt als spezifische UV-Extinktion |
ISO/FDIS 1211 |
Milch - Bestimmung des Fettgehaltes - Gravimetrisches Verfahren (Referenzverfahren) |
ISO/FDIS 2962 |
Käse und Schmelzkäse - Bestimmung des Gesamt-Phosphorgehalts - Spektrometrisches Molekularabsorptionsverfahren |
ISO/FDIS 12081 |
Milk - Determination of calcium content - Titrimetric method |
ISO/FDIS 12099 |
Futtermittel, Getreide und gemahlene Getreideerzeugnisse - Anleitung für die Anwendung von Nahinfrarot-Spektrometrie |
ISO/FDIS 26462 |
Milch - Bestimmung des Lactosegehalts - Enzymatisches Verfahren mit pH-Differenzmessung |
ISO/FDIS 11813 |
Milk and milk products - Determination of zinc content - Flame atomic absorption spectrometric method |
ISO/FDIS 12081 |
Milk - Determination of calcium content - Titrimetric method |
ISO/FDIS 12099 |
Futtermittel, Getreide und gemahlene Getreideerzeugnisse - Anleitung für die Anwendung von Nahinfrarot-Spektrometrie |
ISO/FDIS 26462 |
Milch - Bestimmung des Lactosegehalts - Enzymatisches Verfahren mit pH-Differenzmessung |
Neue Projekte:
Dokumenten - Nr. |
Titel |
ISO/WD 15151 |
Milch und Milcherzeugnisse - Bestimmung der Gehalte von Calcium, Kupfer, Eisen, Magnesium, Mangan, Phosphor, Kalium, |
ISO/DIS 6731 |
Milk, cream and evaporated milk - Determination of total solids content (Reference method) |
ISO/DIS 6734 |
Sweetened condensed milk - Determination of total solids content (Reference method) |
(Stand 28.06.2010)
